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Kontaktlose Smartcards

29. Februar 2004 (Bastian Ballmann)
...oder wie dem Verbraucher seine Daten wortwörtlich aus der Tasche gezogen werden.

Kontaktlose Smartkarten sind die neueste Erfindung der Chipkartenindustrie. Smartkarten sind smart, weil sie in der Lage sind eigenständig Rechenoperationen durchzuführen und sie sind kontaktlos, weil sie Daten per Funk übertragen können. [Externer Link]Optisch unterscheidet sich eine kontaktlose Smartkarte kaum von einer normalen Chipkarte, nur wer genau hinschaut und weiß worauf er achten muss, erkennt den Unterschied. Wenn man eine kontaktlose Smartkarte vor eine starke Lichtquelle wie z.B. eine Taschenlampe hält, sieht man Leiterbahnen, die die gesamte Karte durchziehen, dies ist die sogenannte Induktionsschleife, die es der Karte ermöglicht zu funken.

Wenn man sein [Externer Link]neues Ticket des nordrhein-westfälischen Verkehrsverbunds VRR mal unter die Lupe nimmt, wird man merken, dass es sich dabei um solch eine kontaktlose Smartkarte handelt. Eigene Nachforschungen haben ergeben, dass die Smartkarten-Funktionalität momentan nicht genutzt wird und ursprünglich dazu gedacht war Payback Aktionen zu realisieren.

Gerüchte, dass [Interner Link]RFID Chips in Fahrkarten verbaut wurden bzw. werden kann ich nicht bestätigen, zumal solch eine kontaktlose Smartkarte mehr zu bieten hat, als ein RFID Chip!

Nach Aussagen des VRRs wird auch die kontaktlose Eigenschaft der Karte nicht verwendet, weil sich bei Versuchen technische Probleme ergaben.

Auf Nachfrage, ob geplant sei Fahrgäste mit Sendern im Eingangsbereich der Busse zu erfassen und deren Fahrten in einer zentralen Datenbank zu speichern, wie es das Berliner Verkehrsunternehmen BVG schon getestet hat (siehe Datenschleuder Artikel [Externer Link]tick.et: "wir wissen, wo sie sind."), wurde mir gesagt, dass dies nicht geplant sei, da die Technik noch nicht ausgereift sei. Man hätte noch Probleme mit Fahrgästen, die nur kurz in den Bus einsteigen und ihn sofort wieder verlassen, um beispielsweise einer Mutter den Kinderwagen hinein zu heben und vorbeilaufende Passanten werden ebenfalls noch von diesen Sendern erfasst. Insofern sei in naher Zukunft nicht geplant solch ein System einzuführen und man bestäigte mir auch, dass es nicht mit dem Datenschutzgesetz zuvereinbaren sei Fahrgastdaten für einen längeren Zeitpunkt als die aktuelle Fahrt zu speichern. Ich bin mir allerdings noch nicht einmal sicher, ob es mit dem Datenschutzgesetz vereinbar ist die Daten für die aktuelle Fahrt zu erfassen.

Zuletzt soll hier kurz das [Externer Link]SCOFI Projekt vorgestellt werden. SCOFI steht für Smart Card Online für das Filtern des Internets und soll eine Smartkarte an Schulen einführen, um den schuleigenen Internetzugang zentral zu filtern. Momentan soll diese Smartkarte offiziell nur für die Authentifikation und das Filtern verwendet werden. Allerdings bietet eine Smartkarte schier unerschöpflichen Mehrwert und kann z.B. auch zum Bezahlen oder Sammeln von Daten bis hin zur überwachung des Schülers benutzt werden. Man kann z.B. Sender an den Eingangsbereichen der Schule positionieren und per Funk Schüler registrieren, die das Schulgelände entweder betreten oder verlassen.

Diese Informationen könnten zur Identifikation von Schulschwänzern verwendet werden.

Als Schutzmaßnahme kann man wahlweise die Karte komplett in Alufolie einpacken oder die Induktionsschleife zerstören, indem man ein Stück des rechten Rands abbricht.

Es lohnt sich auch ein Blick in den Datenschleuder Artikel [Externer Link]Willkommen in der kontaktlosen neuen Welt! (Seite 20)


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