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Wem gehört die Bundesdruckerei?

03. September 2005 (frankro)
Die "Bundes"-Druckerei ist stellt traditionell deutsche Ausweispapiere her. Der Name hat allerdings nur noch wenig mit den wirklichen Eigentumsverhältnissen zu tun...

Die Umwandlung von einer Behörde in eine privatrechtliche GmbH im Bundesbesitz erfolgte im Jahr 1994. Die Kohl-Regierung hatte jedoch die Veräußerung der Bundesanteile an der Staatsdruckerei per Kabinettsbeschluss auf 49 Prozent begrenzt. Finanzminister Eichel (SPD) trennte sich später von den restlichen 51 Prozent. Um den Bundesanteil möglichst gewinnbringend zu veräußern, beauftragte das Bundesfinanzministerium im Dezember 1999 das Frankfurter Bankhaus Metzler.

Die Bundesdruckerei wurde 2000 vom Bundesfinanzminister für eine Milliarde Euro an die Beteiligungsgesellschaft Apax Partners & Co. verkauft. Dieser Kaufpreis galt schon damals als deutlich überhöht.

Die Bundesdruckerei GmbH, die Bundesdruckerei International Services GmbH, die ORGA Kartensysteme GmbH, die Holographic Systems München GmbH, die Maurer Electronics GmbH, die D-Trust GmbH und die INCO SP.Z.o.o. werden unter dem Dach der authentos GmbH zusammengefasst.

Der Kaufpreis wurde jedoch nicht in bar bezahlt: 230 Mio Euro stundete der Bund für zehn Jahre und etwa 450 Mio Euro gab die Hessische Landesbank als Darlehen. Die Tilgung und der Zinsaufwand für dieses Darlehen betragen pro Jahr 50 bis 75 Mio Euro - Summen, die der Konzern für mehrere Jahre nicht aufbringen kann.

Im August 2002 wurde die Zahlungsunfähigkeit von authentos abgewendet, nachdem sich Gesellschafter, Kreditgeber und der Bund auf einen Zahlungsverzicht geeinigt hatten.

Im September 2002 würde für den symbolischen Kaufpreis von einem Euro die authentos-Gruppe an zwei Zwischenerwerber übertragen: die Berliner JVVG Neununddreißigste Vermögensverwaltungsgesellschaft (94 Prozent) und die Dinos Vermögensverwaltung in Heidelberg (sechs Prozent).

Die Gesellschaft sollte saniert und dann wieder verkauft werden. 300 der 1650 Arbeitsplätze waren akut in Gefahr. Roland Berger erstellte ein Sanierungskonzept. Seit 2002 gab es ziemliche Bewegung in der Führungsebene der Bundesdruckerei.

Die Anwaltssozietät Clifford Chance Pünder ist mittelbarer Mehrheitsgesellschafter der Authentos. Sie vertreten vermutlich die Interessen der Neununddreißigsten Vermögensverwaltungsgesellschaft und damit die Verbindlichkeiten gegenüber des Hessischen Landesbank und gelten als Ansprechpartner für mögliche Kaufinteressenten.

  • http://morgenpost.berlin1.de/content/2002/09/20/wirtschaft/550089.html?redirID
  • http://www.e-duction.com/html/pdf/nilson_11_02.pdf
  • http://www.bundesdruckerei.de/de/presse/pressearchiv/2003/15_01_2003.html
  • http://zeus.zeit.de/text/archiv/2002/15/200215_g-private_equity.xml
  • http://www.jungewelt.de/2000/11-15/009.shtml
  • http://www.politikerscreen.de/brisant/09650/
  • http://www.verdi.de/berlin-brandenburg/lbz/berufe_und_branchen /medien_kunst_industrie/download/sprachrohr_04_2002
  • manager magazin (11/2002): 01.11.2002 Authentos: Hirngespinste - Obskure Transaktionen trieben die Muttergesellschaft der Berliner Bundesdruckerei fast in den Ruin.


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